"Wir können dir folgenden Rat geben: Denke nicht, dass der Raum, in dem du dich befindest, ein Raum ist, der für immer währt. Jeder Raum wird beendet, wenn er keine Kraft mehr hat."
Aber wann hat ein Raum keine Kraft mehr? Die Antwort dazu ist ganz simpel: dann, wenn du ihm keine Kraft mehr gibst, dann, wenn du ihn nicht mehr nährst, dann, wenn du dich von diesem Raum nicht mehr klein machen lässt.
Wie geht das in der Praxis? Schau dich in deinem Leben um und betrachte die ganzen Lebenssituationen, die dir nicht gefallen. Und frage dich dann: Gibt es etwas, was sich an der Situation ändern kann, damit ich nur ein kleines bisschen zufriedener wäre? Gäbe es eine kleine Veränderung, die passieren könnte, damit ich mit der Situation etwas besser umgehen kann? Schreibe dir alles systematisch auf: Situation 1, das müsste sich im Minimum verändern, damit ich die Situation einfacher ertragen könnte.
Danach lässt du das kurz ruhen. Im nächsten Schritt nimmst du Minimalanpassung 1 zur Hand. Frag dich, welche Gedanken, welche Gefühle du bei dir anpassen musst, damit sich diese Minimaländerung umsetzen lässt. Gibt es Gedanken in deinem Kopf, die diese kleine Minimalanpassung allenfalls sogar verhindern? Und gibt es Gefühle in deinem System, die als Bremsblocker fungieren? Gefühle, die im Karussell immer und immer wieder kehren? Welchen Nährboden braucht diese Minimalanpassung? Was braucht sie, damit sie gedeihen kann?
Hier bleiben wir stehen und halten es nochmals fest: Du kümmerst dich aktuell nicht mehr um die Situation, die dir so gar nicht gefällt. Und wir kümmern uns auch nicht um den lebendig gewordenen Traum – nein, wir kümmern uns nur um die Minimalanpassung in der aktuellen Situation.
Folgendes Beispiel: Ich mag meinen Job nicht mehr. Ich fühle mich dort nicht gesehen und anerkannt, und auch die Aufgaben gefallen mir nicht mehr. Ich konzentriere mich in Bezug auf die Minimalsituationsveränderung auf meinen Chef. Ich frage mich, wie ich ihm gegenüber empfinde, welche Gedanken ich ihm gegenüber habe. Sind diese Gedanken förderlich, wenn ich einen Chef möchte, der mich schätzt und mir mehr zutraut? Welche Gefühle und welche Gedanken würden das Feld „guter Chef" nähren?
Vielleicht etabliere ich den Gedanken in mir, dass mein Chef sich bewusst ist, welche gute Arbeit ich leiste, und dass er der Meinung ist, dass ich seine Top-Mitarbeiterin bin. Ich pflege den Gedanken, dass ihn meine Meinung und mein Fachwissen interessieren. Von den Gefühlen her pflege ich das Gefühl von Stolz gegenüber mir selbst, ich fühle mich gesehen und anerkannt. Die Gefühle kommen ohne Anlass von aussen. Ich übe diese Gefühle, als ob ich meine Muskeln trainiere. Ich beobachte meine Gefühle, wenn ich merke, dass Selbstzweifel aufkommen. Wenn ich es bemerke, dann korrigiere ich sie und übe mich wieder darin, die Gefühle Stolz und Selbstbewusstsein zu trainieren.
Was bringt diese ganze Geschichte?
Es wirkt nach wenig und gleichzeitig klingt es nach Anstrengung. Wenn ich eine schwere Hantel in die Hand nehme, dann ist es am Anfang auch anstrengend. Haben sich die Muskeln gebildet, dann wird mir die Hantel auf einmal leicht vorkommen. Ich werde mich wundern, weshalb mir diese Hantel einmal so schwer vorgekommen ist.
Des Weiteren treibt dieses Vorgehen das Gefühl der Ohnmacht in die Flucht. Ohnmacht ist das Gefühl, handlungsunfähig zu sein. Du schneidest den Elefanten in kleine Scheiben. Lenkst deine Aufmerksamkeit weg vom grossen und unüberwindbaren Problem hin zu der Option, wie sich eine Situation verbessern könnte. Das Leben ist wie ein Dominosystem: Wird ein Stein ins Rollen gebracht, dann rollen die weiteren Steine mit. Eine stagnierende Lebenssituation spricht immer dafür, dass wir nicht im Flow sind. Irgendwo ist eine Blockade vorhanden, ein Knoten in der Leitung. Durch das Bewegen des ersten Steines kommt Energie auf. Eine Energie, die andere Blockaden mitreissen kann.
Und zu guter Letzt: Du trainierst deine Muskeln. Angewöhnte „Bewegungsmuster" werden umgelenkt. Bewegungsmuster in Form von Gedanken und Gefühlen, die sich ihre Pfade bei uns eingegraben haben, werden auf andere Strassen umgelenkt. Diese Strassen führen uns in andere Räume.
Probiere es aus. Zuerst nur mit einer Lebenssituation, die dich gerade unzufrieden erscheinen lässt. Schön, ein Schritt nach dem anderen. Wichtig: Schreib dazu ein kleines Tagebuch. Denn ich garantiere dir, dass du plötzlich vergessen wirst, wie es vorher war, als du noch in der Sackgasse gestanden bist. Warum wirst du es vergessen? Weil es nicht unser natürlicher Zustand ist. Weil wir Schöpfer sind. Und mit Schöpfer meine ich nicht, dass du ständig etwas tun musst und dir alles verdienen musst – nein, du musst einfach nur die richtigen Muskeln trainieren und die richtigen Steine anstupsen, dann bist du im Flow und es wird auch nicht mehr anstrengend sein.
Teile mit mir deine Erfahrungen – ich bin gespannt darauf.
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